BeeCultures - Ethnologische Forschung zu Menschen und Bienen

Projektmitarbeiter: Dr. Martin Gruber
Laufzeit: 10/2015 – 11/2020
Finanzierung: Universität Bremen

Seit Jahrtausenden sammeln Menschen den Honig und das Wachs wildlebender Bienen. Dabei haben sie völlig unterschiedliche Formen der Imkerei entwickelt. In der Mythologie, sowie in populären Kulturen spielt die Honigbiene eine wichtige Rolle. Wahlweise als Metapher einer utopischen Gesellschaft oder als idealisiertes Menschenbild. Bedingt durch Berichte über das "Bienensterben" steht heute die ökologische und wirtschaftliche Rolle der Honigbiene im Mittelpunkt. Durch meine Forschung an der Schnittstelle von Natur- und Kulturwissenschaften möchte ich die vielfältigen Verbindungen zwischen Mensch und Biene aufdecken. Ich interessiere mich für die unterschiedlichen Bienenkulturen (BeeCultures), die durch die Praktiken von Imker_innen, Wissenschaftler_innen und Künstler_innen, sowie durch damit verbundene Diskurse entstehen.

Bienen sind für alle wichtig
Heute wird in den meisten Industrieländern eine intensive Form der Bienenhaltung praktiziert: Durch standardisierte Beuten, Schwarmverhinderung, Königinnen-Zucht und Transport der Bienenvölker versuchen Imker, die Honigproduktion zu optimieren. Nicht nur als Lieferanten von Honig und Wachs spielen Bienen in Zeiten der industrialisierten Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Ohne deren Bestäubung ist der Anbau von Obst und Gemüse nur eingeschränkt möglich. Die damit verbundene landwirtschaftliche Produktion übersteigt den Erlös aus Wachs und Honig um das zehn- bis fünfzehnfache und beträgt weltweit rund 70 Milliarden Euro. Diese Bestäubungsleistung der Bienen steht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, seitdem in den USA und Europa immer mehr Bienenvölker sterben – an den Folgen von Krankheiten, Giften und Umwelteinflüssen. Denn ohne Bienen ist die Nahrungsversorgung der Menschen gefährdet. Das Bienensterben und Bienengesundheit haben ein immenses Medieninteresse und zahlreiche Initiativen zum Schutz der Bienen hervorgerufen. Bezeichnenderweise steigt derzeit in Deutschland die Anzahl von Imker_innen nach Jahren des Rückgangs wieder – insbesondere in den Städten.

Konventionelle und alternative Imker in Deutschland und Kamerun
In Hamburg – einem Hotspot für urbane und wesensgemässe Imkerei – werde ich die Praktiken und Perspektiven verschiedner Imker_innen untersuchen und gegenüberstellen. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Forschung befindet sich in der Stadt Ngaoundéré in Zentral-Kamerun. Während sich die traditionelle Imkerei in Kamerun auf das Bereitstellen von Beuten für natürlich ankommende Schwärme und das Ernten von Honig beschränkt, hat sich in Ngaoundéré eine extrem diverse Imker_innen-Szene entwickelt. Ich möchte herausausfinden, inwieweit sich die Praktiken und zugrundeliegenden Vorstellungen kamerunischer und deutscher Imker_innen vergleichen lassen und gegenseitig befruchten können. Mit meiner Forschung möchte ich zu einem bewussten und nachhaltigen Umgang mit Bienen in Deutschland und Kamerun beitragen.

Ein ethnologischer und kollaborativer Blick auf Bienenkulturen
Das Projekt knüpft an meine ethnographische Forschung über traditionelle Bienenhaltung in Afrika und alternative Imkerei in Deutschland. Die Forschung findet über fünf Jahre vor allem in Hamburg und Ngaoundéré statt. Es sind jedoch auch kürzere Forschungsaufenthalte an Orten und bei Organisationen geplant, die für Bienen und Imkerei eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere interessiere ich mich dafür, Wissenschaft, Kunst und Medien zur Aushandlung des Verhältnisses zwischen Menschen und Bienen beitragen. Während der gesamten Forschung werde ich eng mit Imker_innen, Bienenbiologen_innen und anderen "Bienenexpert_innen" aus unterschiedlichen Feldern zusammen arbeiten. Neben ethnographischen Methoden wie der teilnehmenden Beobachtung und qualitativen Interviews werde ich auch audio-visuelle Methoden anwenden. Als Ergebnis der Forschung sind eine Monographie (Habilitationsschrift), diverse Zeitschriftenartikel, sowie ein abendfüllender Dokumentarfilm geplant. 

 

Kontakt:
Dr. Martin Gruber
Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft
Fachbereich 9
Enrique-Schmidt-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 0421 218 67618
gruber[at]uni-bremen.de